INTERGEO 2026 Messe-Projekt Dokument: Technisches Dossier & Systemspezifikationen Lead-Ingenieure: Axpo Grid AG & Hydro Digital
Messe München · 15.–17. September 2026 · Halle B6 · Stand G057
Grid Schweiz
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Technisches Dossier & Systemarchitektur

Technischer Deep Dive: Digitale Netzinnovationen

Detaillierte Spezifikationen, operative Algorithmen und mathematisch-physikalische Grundlagen zu den drei Kerntechnologien von Axpo: Autonome Drohneninspektion mit der LINIA Suite, herstellerneutrales OpenBIM & Living Digital Twin im Unterwerkbau sowie Hydro Robotics (hydrone®) und Schwebstoff-Monitoring (etahydro).

KAPITEL 01 · AUTOMATED INSPECTIONS

1. LINIA Suite: Autonome Drohneninspektion & KI-Computer-Vision

Die LINIA Suite bildet einen geschlossenen End-to-End Workflow von der zentimetergenauen Flugkorridor-Planung über die vollautonome Leitungsbefliegung im laufenden Betrieb bis hin zur KI-basierten Schadensklassifizierung mit direkter Anbindung an SAP PM Instandhaltungs-Workflows.
> 60 %
Zeitersparnis gegenüber manuellen Kletterinspektionen
0 h
Leitungsabschaltung: 100 % Befliegung im Live-Netzbetrieb
> 94 %
F1-Score der KI-Schadenserkennung auf Isolatoren

1.1 Flugbahn-Planung mit LINIApower

LINIApower berechnet auf Basis existierender GIS-Trassendaten und LiDAR-Vorvermessungen dreidimensionale Flugpfade. Die Software modelliert dabei physikalische Seilkurven (Kettenlinien / Catenary Curves) unter Berücksichtigung von Leiterseil-Temperatur, Windversatz und Sicherheitsabständen zu stromführenden Phasen (mindestens 2.5 Meter Abstand bei 380-kV-Höchstspannung gemäss ESTI-Vorschriften).

1.2 Autonome Erfassung mit LINIAair

Die On-Board-Feldsoftware LINIAair steuert Flug und Gimbal-Ausrichtung der Drohne autonom. Durch den Einsatz von Real-Time Kinematic GPS (RTK-GPS) erzielt das System eine absolute Positionierungsgenauigkeit im Zentimeterbereich. Während des Flugs erfasst ein hochauflösender 48-Megapixel-RGB-Sensor sowie eine radiometrische Wärmebildkamera jeden Mastkopf, jede Abspannkette und jede Phasenleiterklemme aus standardisierten Winkeln.

1.3 KI-Schadensanalyse mit LINIAinsights

Die in der Cloud betriebene Computer-Vision-Pipeline nutzt vortrainierte tiefe neuronale Netze (Convolutional Neural Networks / ViT-Modelle), die auf über 500'000 realen Inspektionsbildern europäischer Übertragungsnetze trainiert wurden. Das Modell detektiert 24 Schadenstypen, darunter Mikrorisse an Porzellan- und Verbundisolatoren, Korrosion an Traversenverschraubungen, Blitzschläge an Erdseilen sowie unzulässigen Bewuchs im Trassenprofil. Erkannte Anomalien werden mit Konfidenzwerten versehen und lösen via REST-API direkt Instandhaltungsaufträge in SAP PM aus.

Systemparameter Spezifikation / Kennwert Operativer Nutzen
Positionierung RTK-GNSS mit Dual-Antenne (± 1.5 cm horizontal, ± 2.0 cm vertikal) Exakt reproduzierbare Flugrouten über Jahre hinweg
Optische Sensorik 48 MP Vollformat-Sensor, Brennweite 35 mm / 70 mm zuschaltbar Erkennung von Haarrissen ab 0.3 mm Breite auf 15 m Distanz
Thermografie Radiometrischer Wärmebildsensor (640 × 512 px, NETD < 50 mK) Sofortige Identifikation von Hot-Spots an Pressverbindern
Schadensklassifikation 24 Anomalie-Klassen gemäss CIGRE TB 838 Standard Standardisierte Schadensbewertung (Schweregrad 1 bis 5)
Integrierbarkeit REST-API, GeoJSON, Export nach SAP PM / IBM Maximo Nahtlose Integration in bestehende ERP-Instandhaltungsprozesse
KAPITEL 02 · OPENBIM & DIGITAL TWIN

2. OpenBIM & Living Digital Twin im Unterwerkbau

Im Hoch- und Höchstspannungsschaltanlagenbau überwindet Axpo heterogene Datensilos durch den konsequenten Einsatz offener Standards (OpenBIM / IFC4). Physische Bauwerke werden von der 3D-Trassierung über die Ausführung bis zum Betrieb als dynamischer digitaler Zwilling geführt.
100 %
Papierlose Planung und Ausführung auf der Baustelle
> 150 pts/m²
Punktwolkendichte bei 3D-LiDAR-Bestandsvermessungen
IEC 61850
Direkte Kopplung des Zwillings an Stationsleitsysteme

2.1 Durchgängiges OpenBIM Datenmodell (IFC4)

Bei der Erneuerung und dem Neubau von Unterwerken modellieren die Axpo Fachingenieure sämtliche Gewerke – Hochspannungsschaltgeräte, Transformatoren, Sammelschienen, Erdungsnetze, Stahlbauten und bauliche Schutzfundamente – in einem herstellerneutralen IFC4-Modell. Im Schweizer Landeskoordinatensystem LV95 georeferenziert, ermöglicht das Koordinationsmodell automatisierte Kollisionsprüfungen zwischen elektrischen Mindestabständen und statischen Bauteilen.

2.2 Scan-to-BIM & LiDAR-Bestandsvermessung

Für bestehende Schaltanlagen setzt Axpo auf hochpräzise terrestrische und drohnengestützte LiDAR-Vermessungen. Die resultierenden Punktwolken werden mittels automatisierter RANSAC- und Segmentierungsalgorithmen in parametrische 3D-Objekte überführt. Dadurch entstehen exakte As-Built-Modelle historisch gewachsener Umspannwerke ohne manuelle Nachzeichnung.

2.3 Vom statischen CAD zum Living Digital Twin

Der digitale Zwilling beschränkt sich nicht auf Geometrie: Über OPC UA und IEC 61850 Kommunikationsgateways wird das 3D-Modell in Echtzeit mit Live-Telemetriedaten aus SCADA-Systemen synchronisiert. Betriebsparameter wie Transformatoren-Öltemperatur, SF6-Gasdruck in gekapselten Schaltfeldern, Lastströme und Schaltspiele werden direkt auf die 3D-Komponenten gemappt. Bei Grenzwertüberschreitungen generiert der Zwilling vorausschauende Wartungsempfehlungen (Predictive Maintenance).

Architektur-Schicht Standard / Technologie Spezifikation
Datenstandard buildingSMART IFC4 / IFC4.3 Infrastructure Herstellerneutrale Interoperabilität aller Gewerke
Georeferenzierung Schweizer Landeskoordinaten LV95 / LN02 Millimetergenaue Passung mit amtlichen Geodaten
Punktwolkendichte Terrestrischer Laserscan (TLS) & Mobile Mapping Dichte > 150 Punkte/m²; Messunsicherheit < 2 mm
Leittechnik-Kopplung IEC 61850 Substation Automation / OPC UA Server Echtzeit-Telemetrie im 1-Sekunden-Zyklus
Modellierungsgrad LOD 300 (Entwurf), LOD 400 (Bau), LOD 500 (As-Built & Betrieb) Durchgängiger Lebenszyklus von Build bis Maintain
KAPITEL 03 · HYDRO ROBOTICS & HYDRO DIGITAL

3. Hydro Robotics (hydrone®) & etahydro Sediment-Monitoring

Wasserkraftanlagen in alpinen Regionen sind extremen mechanischen Belastungen durch Schwebstoff-Erosion ausgesetzt. Hydro Digital begegnet dieser Herausforderung mit autonomer Unterwasser-Robotik (hydrone®) zur gefahrlosen Strukturprüfung und akustischem Triebwasser-Monitoring (etahydro).
150 m
Maximale Tauchtiefe von hydrone® in Stauseen und Stollen
0 CHF
Kosten für Stausee-Absenkung: Prüfung bei vollem Stauziel
bis 35 %
Senkung der Turbinen-Revisionskosten durch etahydro

3.1 hydrone®: Unterwasser-Robotik ohne Entleerung

Traditionelle Inspektionen von Staumauern, Wasserschlössern und Druckstollen erfordern aufwändige Stausee-Absenkungen oder lebensgefährliche Einsätze menschlicher Taucher in engen Kavernen. hydrone® ist ein ferngesteuertes bzw. teilautonomes Unterwasser-Inspektionssystem (ROV/Crawler), das bei gefüllter Anlage operiert. Ausgestattet mit akustischen Sonaren, hochauflösenden Kameras mit Streulichtkompensation und Ultraschall-Dickenmessköpfen, liefert hydrone® zentimetergenaue Schadensbilder von Betonabplatzungen, Rissen und Korrosion an Panzerungsrohren.

3.2 etahydro: Kontinuierliche Schwebstoff- und Wirkungsgradmessung

Gletscherschliff und abrasive Quarzsand-Partikel im Triebwasser führen bei Hochdruck-Peltonturbinen und Francis-Laufrädern zu drastischem Materialabtrag an Düsen, Nadeln und Bechern. etahydro überwacht die Schwebstoffkonzentration im Triebwasser kontinuierlich mittels akustischer Mehrfrequenz-Dämpfungsmessung. Parallel berechnet das System thermodynamische Wirkungsgrade gemäss IEC 60041.

Durch die Korrelation von Schwebstofffracht und Wirkungsgradabfall ermittelt etahydro den exakten optimalen Revisionszeitpunkt vor Eintreten irreparabler Schäden. Kraftwerksbetreiber vermeiden so verfrühte Stillstände ebenso wie gravierende Wirkungsgradverluste von bis zu 5 % während der Sommer-Hochwasserphase.

Komponente Messprinzip / Technik Leistungsdaten
hydrone® Druckkörper Druckfeste Kohlefaser- und Titan-Hülle, 6 bürstenlose Antriebe Einsatztiefe bis 150 m Wassersäule; Strömungsresistent bis 1.5 m/s
hydrone® Sensorik Multibeam-Imaging-Sonar, 4K-Low-Light-Kamera, Laser-Profiler Sichtweite im Trübwasser mittels Akustik bis 30 m; Risserkennung ab 0.5 mm
hydrone® Wandstärken Elektromagnetischer Ultraschallwandler (EMAT) Messung von Restwandstärken an Stahlpanzerungen ohne Beschichtungsabtrag
etahydro Akustik Mehrfrequenz-Ultraschalldämpfung (1 MHz – 10 MHz) Schwebstoffkonzentration: 0.05 g/l bis 50 g/l Quarzäquivalent
etahydro Wirkungsgrad Thermodynamisches Verfahren gemäss IEC 60041 Norm Genauigkeit der relativen Wirkungsgradbestimmung: ± 0.15 %